Eine us-finnische Studie zeigt erstmals, dass wir unseren IQ zumindest teilweise unseren Eltern verdanken. Besonders die Masse der "grauen Zellen" in den vorderen Gehirnregionen, wo etwa Sprach- und Lesefähigkeiten gesteuert werden, ist offensichtlich genetisch bedingt.

Die Forscher um den Neurologen Paul M. Thompson von der University of California in Los Angeles, dem finnischen Gesundheitsinstitut und der Universitäten Helsinki und Oulu nutzten Magnetresonanz - Bildgebungstechniken, um die unterschiedlichen Gehirnstrukturen von nicht verwandten Personen mit jenen von ein- und zweieiigen Zwillingen zu vergleichen.

Wie anhand der MRI-Scans ersichtlich wurde, verfügen eineiige Zwillinge über nahezu idente Gene, zweieiige teilen sich nur mehr rund 50 %. In einem direkten Vergleich zwischen 40 Zwillingen konnten so vererbte Faktoren von individuell herausgebildeten klar unterschieden werden.

Als Forschungsgrundlage standen auch die Daten einer umfassenden Erhebung aus Finnland zur Verfügung, bei der über 9.500 gleichgeschlechtliche Zwillingspaare erfasst waren, die sich größtenteils schon einmal kognitiven Tests und Gehirnscans unterzogen hatten.

"Wir entdeckten, dass die Gehirnregionen der vorderen Großhirnrinde einer genetischen Kontrolle unterliegen," werden die Forscher in ihrer in der Dezemberausgabe von Nature Neuroscience veröffentlichten Studie zitiert.

"Individuelle Unterschiede in der Gehirnstruktur sind dabei eng mit individuellen Unterschieden des Intelligenzquotienten verknüpft." Der IQ wurde nämlich bei allen 40 Zwillingen im Rahmen kognitiver Tests ermittelt und den Daten aus den Gehirnscans gegenüber gestellt.

"Wir waren erstaunt, als sich zeigte, dass die Menge der grauen Masse in den vorderen Gehirnregionen einerseits erblich bedingt war, und dass sich andererseits der individuelle IQ daraus vorhersagen ließ", so Thompson.

Die Arbeiten aus dieser Studie führten zu einem ersten "Atlas" des menschlichen Gehirns, der zeigt, welche Hirnregionen eher von erblichen oder eher von der Umwelt geprägten Faktoren beeinflusst werden.

Demzufolge dürften Gehirnvolumen und einige Regionen, die für verbale Fähigkeiten, für räumliches Vorstellungsvermögen oder etwa Reaktionen auf Stress verantwortlich sind, genetisch "vorbelastet" sein, wohingegen die Art und Zahl der Windungen des Großhirns ganz individuell ausgebildet werden.

Auch das Verständnis für vererbbare Gehirnerkrankungen wie Alzheimer, Schizophrenie, Demenz oder Neigung zu Psychosen steigt mit diesen Kenntnissen, was der besseren Risikoprognose und Früherkennung dienen wird.