Gehirnverlust breitet sich wie eine Welle aus
Neue MRT-Diagnostik bei Schizophrenie-Kranken / Verlauf des
Substanzverlusts über fünf Jahre nachgezeichnet
LOS ANGELES (ple). Der Verlust an grauer Substanz im Gehirn von
Jugendlichen mit beginnender Schizophrenie verläuft offenbar wie eine Welle
über fast den gesamten Kortex. Diesen Verlauf über fünf Jahre
haben jetzt US-Forscher mit einer verbesserten Magnetresonanz-Technik (MRT)
dokumentiert.
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Verlust
an grauer Substanz bei jungen Schizophrenie-Kranken läßt sich
mit einer verbesserten Magnetresonanz-Technik jetzt leichter erkennen. Am
stärksten ist er in den Arealen in Rot und Lila. Foto: Paul
Thompson/UCLA |
Die Arbeitsgruppe um Dr. Paul M. Thompson von der University of California
School of Medicine in Los Angeles hat diese verbesserte MRT bei zwölf
etwa
14 Jahre alte Jugendlichen mit beginnender Schizophrenie und bei zwölf
gesunden Heranwachsenden gleichen Alters angewandt. Über einen Zeitraum
von knapp fünf Jahren wurden bei allen Teilnehmern der Studie jeweils
dreimal
Aufnahmen des Gehirns mit dem hochauflösenden MRT-Gerät gemacht: zu
Beginn der Studie, nach 2,3 Jahren und nach 4,6 Jahren.
Die gewonnenen Daten wurden mit Hilfe von Computern dazu verwendet, um
dreidimensionale Karten des Kortex anzufertigen. Auf diesen Karten ist der
Verlust an grauer Hirnsubstanz - bis zu fünf Prozent - farblich
dargestellt.
Wie die Wissenschaftler in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift
"Proceedings of the National Academy of Sciences" (98/20, 2001, 11650)
berichten, begann der Verlust der Substanz in der Parietalregion, wo sich der
Anteil der grauen Substanz um bis zu zehn Prozent verminderte. In dieser Region
werden räumliche Eindrücke verarbeitet; zudem erfolgt hier
assoziatives Denken. Im Verlauf der Erkrankung in den kommenden fünf Jahren
beobachteten die Forscher eine Abnahme der grauen Substanz in der
Temporalregion, zuständig für die Sensomotorik, und schließlich
im präfrontalen Kortex - hier war der Verlust am stärksten.
In ihrer Untersuchung entdeckten die Wissenschaftler schließlich auch
einen Verlust an grauer Substanz im Gehirn gesunder Jugendlicher der
Vergleichsgruppe. Allerdings sei dieser Verlust nur gering gewesen, und zwar
etwa ein Prozent pro Jahr in der Parietalregion, also jenem Areal, in dem der
Substanzverlust bei den Patienten begonnen hatte.