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Ärzte Zeitung, 25.09.2001

Gehirnverlust breitet sich wie eine Welle aus

Neue MRT-Diagnostik bei Schizophrenie-Kranken / Verlauf des Substanzverlusts über fünf Jahre nachgezeichnet

LOS ANGELES (ple). Der Verlust an grauer Substanz im Gehirn von Jugendlichen mit beginnender Schizophrenie verläuft offenbar wie eine Welle über fast den gesamten Kortex. Diesen Verlauf über fünf Jahre haben jetzt US-Forscher mit einer verbesserten Magnetresonanz-Technik (MRT) dokumentiert.

Der Verlust an grauer Substanz bei jungen Schizophrenie-Kranken läßt sich mit einer verbesserten Magnetresonanz-Technik jetzt leichter erkennen. Am stärksten ist er in den Arealen in Rot und Lila. Foto: Paul Thompson/UCLA

Die Arbeitsgruppe um Dr. Paul M. Thompson von der University of California School of Medicine in Los Angeles hat diese verbesserte MRT bei zwölf etwa 14 Jahre alte Jugendlichen mit beginnender Schizophrenie und bei zwölf gesunden Heranwachsenden gleichen Alters angewandt. Über einen Zeitraum von knapp fünf Jahren wurden bei allen Teilnehmern der Studie jeweils dreimal Aufnahmen des Gehirns mit dem hochauflösenden MRT-Gerät gemacht: zu Beginn der Studie, nach 2,3 Jahren und nach 4,6 Jahren.

Die gewonnenen Daten wurden mit Hilfe von Computern dazu verwendet, um dreidimensionale Karten des Kortex anzufertigen. Auf diesen Karten ist der Verlust an grauer Hirnsubstanz - bis zu fünf Prozent - farblich dargestellt.

Wie die Wissenschaftler in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (98/20, 2001, 11650) berichten, begann der Verlust der Substanz in der Parietalregion, wo sich der Anteil der grauen Substanz um bis zu zehn Prozent verminderte. In dieser Region werden räumliche Eindrücke verarbeitet; zudem erfolgt hier assoziatives Denken. Im Verlauf der Erkrankung in den kommenden fünf Jahren beobachteten die Forscher eine Abnahme der grauen Substanz in der Temporalregion, zuständig für die Sensomotorik, und schließlich im präfrontalen Kortex - hier war der Verlust am stärksten.

In ihrer Untersuchung entdeckten die Wissenschaftler schließlich auch einen Verlust an grauer Substanz im Gehirn gesunder Jugendlicher der Vergleichsgruppe. Allerdings sei dieser Verlust nur gering gewesen, und zwar etwa ein Prozent pro Jahr in der Parietalregion, also jenem Areal, in dem der Substanzverlust bei den Patienten begonnen hatte.


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