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Hirnveränderungen bei Schizophrenie
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"Du bist doch schizophren, Mann"!
Hochgeputschte TV-Bilder von
mordlüsternen Irren und zahlreiche
Agententhriller mit gehirngewaschenen
Hauptdarstellern führen bei manch einem
Zeitgenossen zu Zerrbildern darüber,
was denn diese Hirnkrankheit ausmacht.
Das Wort Schizophrenie bedeutet
eigentlich Bewusstseinsspaltung. Der
Kranke erlebt die Welt geteilt, einmal
die Realität, so wie sie ist und
darüber hinaus noch eine "virtuelle"
Realität, nämlich seine eingebildete.
Viele Patienten hören innere Stimmen,
haben optische Halluzinationen und
sehen sich als Opfer etwa von Strahlen
oder magnetischen Einflüssen. Solange
noch über die Erkrankung Unklarheit
herrscht, wird verzweifelt versucht,
eine Erklärung für diese Phänomene zu
finden.
Das Gehirn eines Schizophreniepatienten befindet sich unter Dauerstress. Die unendlich vielen Sinneseindrücke,
die von außen auf jeden Menschen einstürmen und unbewusst in "unwichtig" und "wichtig" eingeteilt werden, sind
irgendwann zuviel für den Kranken. Seine "Sortiermaschine" ist defekt, und das Hirn schaltet eine Art Filter
ein, der die Bedeutung des Wahrgenommenen verschiebt. Woran das liegt und warum das bei manchen Personen
ausgelöst wird, weiß man bisher noch nicht. Schizophrenie gilt als erblich, aber ein codierendes Gen für die
Erkrankung suchten die Forscher bisher vergeblich.
Grundlagenforschung ist bei einem solchen Problem ein sehr guter Ansatz. Wissenschaftler der University of
California in Los Angeles und des National Institute of Mental Health in Bethesda haben mit der
Methode der bildgebenden Kernspintomografie Jugendliche mit sich entwickelnder Schizophrenie untersucht.
Die Forscher stellten einen Verlust von mehr als 10 Prozent grauer Hirnsubstanz in den äusseren Hirnbereichen
der Testpersonen fest. "Diese Studie veranschaulicht das erste Mal die Schizophrenie-Entwicklung im Gehirn. Der
Gewebeverlust beginnt in einer kleinen Hirnregion und breitet sich so verheerend wie ein Waldbrand aus", so
Paul Thompson, der Leiter der Untersuchungen. Innerhalb von fünf Jahren ist das gesamte Hirn betroffen.
Auch gesunde Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren verlieren rund ein Prozent ihrer Hirnmasse im Jahr. Dieser
Prozess springt jedoch im Gegensatz zu Erkrankten nicht auf die sensorischen und motorischen Hirnbereiche über.
Die jetzt gewonnenen Bilder von der Hirnentwicklung bei Jugendlichen sollen wertvolle Aufschlüsse über die
Zusammenhänge zwischen dem Befall von Hirnregionen und dem Wachstumsverlauf des Gehirns geben. Die Methode der
bildgebenden Kernspintomografie könnte außerdem bei der Entwicklung von Medikamenten zur frühen Bekämpfung des
Hirnsubstanzschwundes eingesetzt werden.
Claudia Heß
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